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Fatale Umbrüche im globalen Bankensystem
2010-02-06, 14:51:09
Beitrag: #1
Hallo,

alles fing letztes Jahr mit einer scheinbar einmaligen Aktion an - der "Zumwinkel-Daten-DVD", die von einem handelsüblichen Datendieb noch verstohlen und ohne großes Vorgeplänkel über deutsche Geheimdienstkanäle bei der zuständigen Steuerfahndungsstelle landete. Das Ergebnis konnten alle live im Fernsehen mitverfolgen, die Hausdurchsuchung Zumwinkel hat das Zeug dazu unter die spannendsten Live-Berichterstattungen zu kommen.
Auch wenn sich manch einer gefragt hat, wie es sein kann, dass zahlreiche Fernsehteams ihre Ü-Wagen und Kameras schon 2 Stunden vor Anmarsch der Fahnder zielgerichtet in Zumwinkels Vorgarten aufstellen konnten . . .

Inzwischen aber ist hier anscheinend ein ganz neuer Markt entstanden, an dem in friedlicher Eintracht

- kriminelle Datendiebe und Hacker
- Staatsanwaltschaften aus Drittländern
- Landes- und Bundesregierung(en)
- Finanzbehöreden

sich selbst und anderen gänzlich neue Einnahmequellen bescheren.

Die Nachrichtenlage inflationiert sich selbst, heute gemäß FTD:

Zitat:Weitere Steuersünder-Daten im Angebot
Dem Finanzministerium Baden-Württemberg sind neue Probedaten einer CD mit potenziellen Steuersündern zugespielt worden. Betroffen sollen Tausende Bürger aus dem ganzen Bundesgebiet sein.
In Baden-Württemberg ist ein neues Angebot mit Daten von potenziellen Steuersündern aufgetaucht. Es sei "sehr interessant", sagte der Sprecher des Landesfinanzministeriums, Bertram Dornheim. Erste Kontakte habe es bereits Anfang 2009 gegeben. Damals seien erste Probedaten aufgetaucht. Anfang der Woche seien diese noch einmal ergänzt worden. Eine Größenordnung wollte er nicht nennen.
Die "Frankfurter Rundschau" berichtete unter Berufung auf den Sprecher über ein Angebot über Daten von rund 2.000 potenziellen Steuersündern. "Es gibt ein entsprechendes Angebot und wir prüfen es", wird der Sprecher zitiert. Der Datensatz betreffe Kunden "verschiedener Schweizer Banken und Versicherungen", schreibt das Blatt weiter. Betroffen seien Steuerpflichtige aus dem ganzen Bundesgebiet.

Dem Bericht zufolge soll es sich dabei um viele Daten von Kunden der Schweizer Bank UBS handeln. Es seien offenbar aber auch Kunden der Credit Suisse und des Lebensversicherers Generali unter den Betroffenen. "Uns liegen dazu keine Erkenntnisse vor", sagte UBS-Sprecherin Anja Schlenstedt in einer ersten Reaktion.
Quelle: Financial Times Deutschland

Zeitgleich bietet sich ein Staatsanwalt aus Südfrankreich als weiterer Datenlieferant mit Datensätzen deutscher Kontoinhaber mit Konten bei einer Privatbank in Genf an. Und so weiter und so weiter.

Die Dimension alleine aus deutscher Sicht ist gewaltig: Schätzungen gehen davon aus, dass alleine 100.000 Deutsche Gelder auf Konten in der Schweiz haben.
Das Problem dabei: Die absolute Mehrheit nutzt nicht mehr und nicht weniger als die ihr zustehenden Freizügigkeit von Kapitaltransfers, um selbst zu entscheiden, wo sie ihr zuvor versteuertes Geld hinbringt.
In der Diskussion - am Stammtisch wie auch in den Finanzamtsstuben gleichermaßen - flacht jedoch sämtliches Differenzierungsvermögen ab - und alle sind nun "Schwarzgeldbesitzer".

Bei diesem Hype bleibt nur abzuwarten, bis sich eine neue Form der organiserten Kriminalität entwickelt: Bankdatendiebe und -händler. Das kann erfahrungsgemäß bis hin zur Cofinanzierung ganzer totalitärer Regimes führen - hatten wir alles schon.

Statt weiter in Deutschland Rechtsstaatsdiskussionen vom Zaun zu brechen - im Ergebnis lacht sich die Politik darüber hinter vorgehaltener Hand schlapp, wer kann und will sich auch schon zur Lobby für im Volksmund pauschalisierte Steuerhinterzieher machen??? - kann man nur hoffen, dass insbesondere Deutsche ihr tradiertes Verhalten aufgeben, Vermögensanlage im alleinigen Zugriff und Namen zu realisieren.

Schaut man in den anglo-amerikanischen Raum, so sind - auch schon in bescheidenen Größenordnungen - Trust Funds und Investgesellschaften der Standard. Und dabei geht es gar nicht darum, Schwarzgeld zu verstecken oder Kapitalerträge an der Steuer "vorbeizuschleusen".

Im Kurz- und mittelfristigen Bereich zählt vielmehr die Devise, Kapital und Erträge aus demselben in der unternehmerischen Sphäre zu belassen, um Steuerstundungseffekte zu nutzen.

Weiteres Umdenken ist mit Blick auf die allgemeine Nachrichtenlage in Bezug auf die geographischen Kapital- und Bankplätze überfällig:
Sich im Wirkungskreis der EU-Kontenkontroll- und Zinsrichtlinie selbst zu bewegen, wird immer mehr zum Vabanque-Spiel, ohne jeden eigentlichen Grund kriminalisiert und geächtet zu werden.

Internationale Finanzplätze wie Middle East und Asien werden in den kommenden Wochen und Monaten gefordert sein, massive Kapitalfluchtbewegungen adäquat aufzunehmen.

Gruß
NoTax

Das goldene Kondom - der neue Ehrenpreis für hirnloses Gesabber, menschenverachtendes Verhalten und schwachsinnige Handlungen.
Besser, wenn sich die Urheber dessen nicht weiter vermehren.
http://www.das-goldene-kondom.de/
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